Patienteninformation und Therapievereinbarung

Information

  • Psychotherapeutische Behandlung erfolgt ausschließlich auf der Basis von Freiwilligkeit.
  • Die Klientin/der Klient hat das Recht auf freie Wahl der Psychotherapeutin/des Psychotherapeuten.
  • Im Falle einer Psychotherapie mit Jugendlichen trägt die Bereitschaft der Bezugspersonen, sich am therapeutischen Prozess zu beteiligen maßgeblich zum Therapieerfolg bei.
  • Im Rahmen der Psychotherapie können Krankheitssymptome und Verhaltensauffälligkeiten vorübergehend zunehmen.

Vereinbarungen

  • Die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut untersteht gesetzlich garantierter Verschwiegenheitspflicht.
  • Die Klientin/der Klient hat das Recht auf Aufklärung über Methode(n) und Dauer der Therapie, soweit diese prozessabhängig vorhersagbar sind.
  • Die Sicherheit des ausreichenden zeitlichen Rahmens und die Einhaltung kontinuierlicherBehandlungstermine sind die notwendige Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung
    von Psychotherapie.
  • Ein vorzeitiger Therapieabbruch kann ernsthafte gesundheitliche Schäden nach sich ziehen.
  • Falls eine Konsultation weiterer Spezialisten des Gesundheitswesens vonnöten ist, ist diePsychotherapeutin/der Psychotherapeut verpflichtet, darauf hin zu weisen.
  • Nicht wahrgenommene Therapiestunden sind bis spätestens 24 Stunden vor dem vereinbarten Termin abzusagen. Geschieht das nicht, ist die verfallene Behandlung mit dem üblichen Stundensatz zu begleichen.
  • Die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut ist verpflichtet, Aufzeichnungen zu führen.
  • Angehörige von Klientinnen/Klienten werden dann und nur dann in die psychotherapeutische Behandlung mit einbezogen, wenn es erstens therapeutisch einwandfrei indiziert und zweitens von der Klientin/vom Klienten gewünscht ist.

Patienteninformation: Download

 

E-Mail-Antwort des Bundesministeriums bez. Regelung der psychotherapeutischen Dokumentation in Institutionen

Das Bundesministerium bezieht sich auf Ihre E-Mail Anfrage bzw. Ihr Telefonat vom 26. Juli 2012 und erlaubt sich hierzu Folgendes auszuführen:

Gemäß § 10 Abs. 2 Z 2 lit. a Krankenanstalten und Kuranstaltengesetz, BGBl. Nr. 1/1957, bzw. den einzelnen Landeskrankenanstaltengesetzen haben die Krankenanstalten verschiedene Formen der Dokumentation (Aufnahmebücher, Krankengeschichte, Operationsniederschriften, Obduktionsniederschriften etc.) anzulegen. Die psychotherapeutische Dokumentation obliegt ausschließlich der behandelnden Psychotherapeutin (dem behandelnden Psychotherapeut). Ist die Psychotherapeutin (der Psychotherapeut) im Rahmen einer Krankenanstalt/Institution tätig, so hat diese Krankenanstalt/Institution die notwendigen zeitlichen, räumlichen und technischen Voraussetzungen für eine ordnungsgemäße Dokumentation zu gewährleisten.

Die jeweilige Vertragspartnerin (der jeweilige Vertragspartner) der Patientin (des Patienten) ist Eigentümerin (Eigentümer) der Dokumentation (in Krankenanstalten/Institutionen ist diese Vertragspartnerin und somit Eigentümerin). Die Psychotherapeutin (der Psychotherapeut) die (der) im Rahmen einer Krankenanstalt/Institution tätig ist, hat das Recht, eine Kopie der Dokumentation für eigene Zwecke zu erhalten.

Bei Aufzeichnungen, die im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung in Institutionen oder im Rahmen von Vereinen durchgeführt werden, müssen folgenden Regelungen in Betracht gezogen werden:

In Krankenanstalten hat die Patientin (der Patient) ein Recht auf Einsichtnahme in die im Rahmen der gesetzlichen Verpflichtung der Krankenanstalten zu führende Dokumentation. In Bezug auf Psychotherapie betrifft dies die Dokumentation der Leistungen einer psychotherapeutischen Behandlung.

Das Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetz, BGBl. Nr. 1/1957, sieht die Führung von Krankengeschichten vor, in denen auch Leistungen einer allfälligen psychologischen Betreuung bzw. psychotherapeutischen Behandlung dokumentiert werden müssen. Sofern diese Aufzeichnungen Geheimnisse betreffen, die Psychotherapeutinnen (Psychotherapeuten) und ihren Hilfspersonen in Ausübung ihres Berufes anvertraut oder bekannt geworden sind, dürfen sie im Rahmen der Krankengeschichte oder der sonstigen Vermerke nicht geführt werden und müssen streng räumlich getrennt aufbewahrt werden. Sie unterliegen nicht dem möglichen Einsichtsrecht der anderen Mitglieder des Behandlungsteams bzw. der Gerichte und Verwaltungsbehörden. Weiters dürfen die höchstpersönlichen Aufzeichnungen in Krankenanstalten jedenfalls nicht von Dritten eingesehen werden.

Auch nach Ausscheiden der Psychotherapeutin (des Psychotherapeuten) aus der Krankenanstalt hat die Aufbewahrung der psychotherapeutischen patientenbezogenen Dokumentation, die Geheimnisse betrifft, weiterhin in der Krankenanstalt für die vorgesehene Dauer der Aufbewahrungspflicht von 30 Jahren unter Wahrung des Geheimnisschutzes sowie der Einsichtsmöglichkeit für die Patientin (den Patienten) zu erfolgen.

Die Verschwiegenheitspflicht gegenüber Dritten bindet alle Mitglieder des Behandlungsteams, welche in diesem Zusammenhang als Hilfspersonen anzusehen sind. Zu klären ist dabei, welche Tatsachen von der behandelten Person als besonders geheimhaltungsbedürftig angesehen und unter diesem Hinweis ausschließlich der behandelnden Psychotherapeutin (dem behandelnden Psychotherapeuten) anvertraut werden. Diese Tatsachen sind als Geheimnis anzusehen und auch gegenüber den Mitgliedern des Teams zu wahren.

Soweit die Behandlung nicht im Rahmen einer Einrichtung erfolgte, ist bei Praxisschließung durch Berufsbeendigung (Pensionierung, Erkrankung, etc.) bzw. Unterbrechung der Berufsausübung (über einen längeren Zeitraum) eine Übergabe an eine Nachfolgerin (einen Nachfolger) bzw. an eine Fachkollegin (einen Fachkollegen) denkbar – dies allerdings nur mit Rücksprache und Zustimmung der Patientin (des Patienten). Andernfalls sind die Daten der Patientin (dem Patienten) in Kopie auszuhändigen, sofern dies zu keiner erheblichen Gefährdung des Wohls der betreffenden Patientin (des Patienten) führen würde. Empfohlen wird der Psychotherapeutin (dem Psychotherapeuten) die jeweilige Vorgangsweise konkret festzulegen.
Ist die Behandlung bereits abgeschlossen, so ist jeweils in Absprache mit der Patientin (dem Patienten) eine Kopie der Dokumentation an diese (diesen) auszuhändigen oder bei Beginn einer neuen Behandlung mit einer anderen Psychotherapeutin (einem Psychotherapeuten) eine Kopie an diese (diesen) zu übergeben.

Bei erweitertem Setting (Paar-, Familien-, Gruppentherapie) muss die Dokumentation so gestaltet werden, dass durch die Wahrnehmung eines persönlichen Einsichtsrechtes oder gar die Abschriftnahme keine Information über andere Gruppenteilnehmerinnen (Gruppenteilnehmer) nach außen gelangen darf.

Zur Beantwortung Ihrer Fragestellung wäre jedenfalls zu klären, wer Vertragspartner der Patientinnen/Klientinnen (Patienten/Klienten) war. Dieser wäre in der Folge Eigentümer der Dokumentation.

Allfällige Reflexionen der Psychotherapeutin (des Psychotherapeuten) in Supervision, Intervision und höchstpersönliche schriftliche Notizen dienen ausschließlich der Unterstützung und Qualitätssicherung (Verbesserung) der Arbeitsfähigkeit der Psychotherapeutin (des Psychotherapeuten). Diese Notizen sind kein Bestandteil der psychotherapeutischen Dokumentation und dürfen daher nur getrennt geführt werden. Diese Notizen sind weder verpflichtend noch unterliegen sie der Einsicht durch die Patientin (den Patienten) oder sogar Dritter und wären daher – da sie im Eigentum der Psychotherapeutin (des Psychotherapeuten) stehen – in keinem Fall weiterzugeben.

Das Bundesministerium für Gesundheit hofft, mit diesen Ausführungen zur Klärung Ihrer Fragestellung beigetragen zu haben.

Mit freundlichen Grüßen,
Susanne Weiss

Dr. Susanne Weiss
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Abteilung  II/A/3
Rechtsangelegenheiten ÄrztInnen, Psychologie, Psychotherapie und Musiktherapie

Bundesministerium für Gesundheit
Radetzkystr. 2, 1030 Wien
Tel.: +43/1/71100-4697
E-Fax: +43/1/7134404-1650
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