Informationsblatt psychotherapeutische Behandlung

Was ist psychotherapeutische Behandlung?
Psychotherapie ist ein Heilverfahren für psychische, psychosoziale und psychosomatisch auftretende Leidenszustände und Verhaltensänderungen. Sie ist präventiv (vorbeugend), kurativ (heilend), palliativ (lindernd), jedenfalls gesundheitsfördernd anwendbar und wirksam. Gesetzlich ist sie der medizinischen und der klinisch-psychologischen Behandlung gleichgestellt. Es besteht eine Anzahl verschiedener psychotherapeutischer Methoden und Interventionsformen.

Welche Behandlungsrahmen gibt es?
Es werden Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppentherapie angeboten.

Wie wird Psychotherapie finanziert?
Derzeit unterliegt die Bezuschussung bzw. Kostenerstattung für psychotherapeutische Leistung einer Reihe bundesweit verschiedener Regelungen. In einzelnen Bundesländern gibt es eine begrenzte Anzahl an so genannten „Kassenplätzen“, d.h. vollständig von der Krankenkasse finanzierten Psychotherapien. In den meisten Fällen gewähren die Krankenkassen allerdings nur einen Kostenzuschuss von € 21,80 pro Therapieeinheit (50 Min.). Zusatzversicherungen übernehmen teilweise die Differenz zwischen Honorarforderung und Kassenzuschuss.
Bitte informieren Sie sich über Stundensatz und Ausmaß der Kostenübernahme der für Sie zuständigen Kasse bei Ihrer Psychotherapeutin/Ihrem Psychotherapeuten, am besten bereits bei der ersten telefonischen Kontaktnahme.

Organisatorischer Ablauf
Sie vereinbaren telefonisch ein Erstgespräch mit einer Psychotherapeutin/einem Psychotherapeuten Ihrer Wahl. Wenn eine Therapievereinbarung zustande kommt, erhalten Sie von der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten ein Bestätigungsformular, das ein Sie betreuender Arzt unterfertigt. Über die weiteren Schritte informiert Sie Ihr/e Psychotherapeut/in. Die Diagnostik obliegt der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten.

Wann wird Psychotherapie angewendet?
Psychotherapie dient im Falle der Prävention des Auf- und Ausbaus von Gesundheitsfähigkeit. Im Falle einer kurativen oder palliativen Anwendung geht es um die Behandlung von Störungen aus dem allgemein psychischen, psychiatrischen und psychosomatischen Bereich, also z.B.: Trauerarbeit, Traumaverarbeitung, Verarbeitung und Abbau von Belastungssituationen (Stressgeschehen, Formenkreis des Burn-out), Depressionen, Angstgeschehen, Panikattacken, Zwangsstörungen, Lernschwierigkeiten, soziale Verhaltensschwierigkeiten, unbefriedigende Formen der Beziehungsgestaltung, Verfolgungsideen, Suchtverhalten, nicht organisch nachweisbare Körperstörungen (z.B. Schmerzen, Schlafstörungen, andere Funktionsstörungen, Migräne, Schwindel, usw.)

Was ist wichtig zu wissen?

  1. Legen Sie Wert auf die freie Wahl Ihres Psychotherapeuten. „Überweisungen“ gibt es nicht, es kann sich höchstens um Empfehlungen handeln.
  2. Beginnen Sie eine Behandlung erst mit jener Psychotherapeutin, jenem Psychotherapeuten, zu der/dem sie Vertrauen empfinden. Nur auf dieser Basis ist Veränderungsarbeit möglich.
  3. Stellen Sie Ihrer Psychotherapeutin/Ihrem Psychotherapeuten alle für Sie wichtigen Fragen.
  4. Zu Therapiebeginn erstellt die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut mit Ihnen ein mündliches oder schriftliches Übereinkommen bezüglich Zielsetzung und Rahmenbedingungen.
  5. Psychotherapie setzt Freiwilligkeit voraus. Eine Behandlung gegen Ihren Willen kann nicht zum Erfolg führen.
  6. Informieren Sie sich über die organisatorischen Bedingungen (Zahlungsmodalitäten, Behandlungshäufigkeit, Kassenzuschuss oder Kostenübernahmen, usw.) am besten vor Beginn der Therapie.
  7. Psychotherapie dient der Gesundung und/oder Gesunderhaltung. Was innerhalb dieses Rahmens Ihr konkretes Ziel ist, bestimmen Sie selbst. Die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut wird mit seinen methodischen Mitteln diese Zielerreichung unterstützen und anleiten.
  8. Ein psychotherapeutischer Prozess ist dann als beendet definiert, wenn Sie in Übereinstimmung mit den diesbezüglich vereinbarten Merkmalen erkennen können, dass Sie Ihr umschriebenes Ziel erreicht haben. Die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut stellt dazu auch seine/ihre Evaluationstechnik zur Verfügung.
  9. Ein therapeutischer Prozess gilt dann als abgebrochen, wenn Sie ohne diese gemeinsame Evaluationsarbeit die vereinbarte Therapie nicht mehr besuchen.
  10. Sie sind jederzeit dazu berechtig, die Therapie zu beenden. Im Sinne der Vermeidung eines Abbruchs ist aber eine abschließende Besprechung mit dem Therapeuten notwendig.

Allgemeine Bedingungen der Psychotherapie
Die Dauer und Häufigkeit von psychotherapeutischer Behandlung hängt einerseits von der angewendeten Methode und andererseits von der Zielsetzung ab.

Besondere Hinweise

  • Die Psychotherapeutin/der Psychotherapeut hat ausschließlich neutral (d.h. unter Ausschluss von Eigeninteressen) und im Sinne des Wohls der ihr/ihm vertrauenden Person zu handeln.
  • Nach Vorgabe des geltenden Psychotherapiegesetzes dürfen religiöse und esoterische Verfahren von der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten nicht angewendet werden.
  • Psychotherapie ist ein ausschließliches Verfahren insofern, als mehrere gleichzeitig laufende Einzel-Therapien/psychosoziale Beratungen unkontrollierbar verlaufen würden und daher nicht verantwortbar sind. Abweichungen davon müssen im Einzelfall mit der Psychotherapeutin/dem Psychotherapeuten erwogen und vereinbart werden.
  • Es kann im Lauf einer psychotherapeutischen Behandlung vorübergehend zur Verschlechterung der Symptomatik oder einem so genannten „shifting“ kommen. Im körperlichen Bereich sind derartige Verschlimmerungen im Rahmen einer Therapie allgemein bekannt.
  • Eine kontextbezogene Wirkung (Reaktionen des Umfelds) von persönlicher Veränderungsarbeit ist erwartbar und jeweils im Sinne der Zieldefinition zu berücksichtigen.

Weitere Informationen zur Behandlung von Psychotherapie
erteilt Ihnen in detaillierter Form das Büro der Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VÖPP), Lustkandlgasse 3-5, 1090 Wien (office@voepp.at). Über psychotherapeutische Verfahren erteilt auch das Bundesministerium für Gesundheit Auskunft.

Im Beschwerdefall
wenden Sie sich bitte an die Beschwerdestelle der VÖPP, die Ihnen gern zur Seite steht.

Kontakt : 0676/4556197 oder per Email: beschwerdestelle@voepp.at

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Burn–out: Was ist das wirklich?

Kennen Sie das: Da will man in jeder Hinsicht sein Bestes geben, es möglichst jedem recht machen und alles möglichst 100%ig erledigen. Da rackert man sich dafür den ganzen Tag lang ab und für alle ist es selbstverständlich.
Das kommt Ihnen bekannt vor, ja?
Und vielleicht auch dieses: dass Sie nämlich zu jenen gehören, die absolut zuverlässig sind, jederzeit bemüht und tadellos gründlich bei Ihren Aufgaben, um die Sie sich kümmern. Im Übrigen ist das kaum eine nach der anderen, sondern Sie schaffen meistens mehrere zugleich. Sie können das, Sie leisten mehr.

Das Gefühl, Zeiten der lockeren Entspannung mit einem Partner, mit Freunden, bei Freizeitgestaltung erleben zu wollen, kennen Sie kaum bis gar nicht (mehr). Und was ist überhaupt „Freizeit“?

Vielleicht bemerken Sie auch noch gar nicht, dass sich erste Fehlleistungen einschleichen: Verwechslungen, Verspätungen, Vergessen.
Wenn Sie sich darum kümmern würden, könnten Sie nicht weiter machen wie bisher und da achten Sie auf diese lästigen Irrtümer erst einmal gar nicht . Obwohl, ärgerlich wäre es schon, wenn Sie sich kleine “Fehler“ eingestehen müssten, nicht wahr?

Da sagen Sie doch lieber einmal ein Treffen mit einem lieben Bekannten ab oder gehen nicht ans Telefon, wenn Sie von ihm vielleicht eingeladen werden könnten. Überhaupt stören diese Leute ständig mit ihren Kontaktangeboten…!
Dazu kommt, dass Ihre Geduld zunehmend auf die Probe gestellt wird, weil sich ringsum Sie die Menschen immer langsamer und ungeschickter benehmen, eine herausfordernde Sturheit an den Tag legen.

An dieser Stelle des Geschehens in Ihrem Inneren kann der Körper schon einmal beginnen, Signale des Unbehagens zu verschicken, um Sie zur Umkehr zu mahnen. Sie werden sie ignorieren. Man kann sich schließlich nicht um alles kümmern, Sie sind doch ohnehin schon ausreichend eingedeckt. Nicht wahr?

Weiter geht es also (und wenn Sie sich nicht bald um professionelle Hilfe umschauen, könnte die Entwicklung schädigend verlaufen!) in der Entkräftungsspirale nach unten.
Leider schwillt jetzt Ihr Eindruck, dass alle um Sie herum von Ihnen etwas wollen, beachtlich an, Sie stellen sich ein auf „Funktionieren“, von Leichtigkeit nicht einmal mehr eine Spur. Zugleich wird Ihnen immer leerer zumute, Sie nehmen keine Gefühle mehr in sich wahr, beginnen sich vielmehr in einem einförmigen Ganztagsbrei zu bewegen. Vielleicht trinken Sie auch längst zu viel Kaffee, rauchen(mehr) oder halten sich sonst wie wach.

Sollten Sie weiterhin keine Veränderung vorhaben, winkt Ihnen die völlige geistige und körperliche Erschöpfung.

Was ist zu tun?

Burn-out ereignet sich stufenweise, Stück für Stück arbeitet sich der gefährdete Mensch voran, wobei er sich strikt daran hält (er ist grundsätzlich jemand, der sich genau an Regeln hält…), die Zeiten des Auftankens zu übergehen. Er verwechselt die Lust an der Leistung mit Entspannung.
Um die Spirale dieser Entwicklung wieder zurück zu schrauben, reden Sie mit Personen, die Ihnen wichtig sind darüber. Es geht hier nicht darum zu jammern, sondern Ihre Gefühle, Ihr ganz persönliches Empfinden mit zu teilen. Beginnen Sie Ihre Sätze also mit „Ich“…
Geben Sie Ihren Lieben auch dieses Blatt in die Hand, um sich lange Erklärungen zu sparen.
Ihr engagierter Einsatz (recht oft für andere), Ihr aufrichtiges Bemühen um eine wertvolle Arbeitsleistung werden dadurch nicht leiden, im Gegenteil:

Nur wer seine Werkzeuge ständig wartet, kann wirkungsvoll arbeiten!

Holen Sie sich also Unterstützung durch die Nähe anderer Menschen, tun Sie regelmäßig etwas, was Ihnen Spaß macht.

Nutzen Sie das Angebot der psychotherapeutischen Versorgung.
Wenden Sie sich an eine Psychotherapeutin/ einen Psychotherapeuten ihrer Wahl, die/der Ihnen hilft, neue Wege zu gehen und Ihren Spaß am Leben (wieder) zu finden.