Transidentität – Transsexualität

Was ist eigentlich Transsexualität?

Transsexualität oder auch des öfteren als Transidentität bezeichnet, ist das tiefe, innere Empfinden einer Personen in der Annahme sich konträr zu jenem Geschlecht zu fühlen, in welches man hineingeboren wurde. Es sind Gefühle, Gedanken vorhanden, die der Person vermitteln, dass es nicht stimmig sei bzw. ist, so zu leben wie man sozialisiert wurde bzw. wie man aufgrund der Geschlechterrollen zu sozialisiert sein sollte. Anders gesagt, man fühlt sich in seinem Körper nicht wohl und möchte eigentlich das andere Geschlecht sein und diese Weise des Lebens leben. Kurz zusammengefasst bedeutet Transsexualität: DAS (ER) LEBEN IM FALSCHEN KÖRPER.

Warum eigentlich Psychotherapie bei Transsexualität?
Diese Frage stellt sich oft bei betroffenen Menschen, die sagen „Wozu Psychotherapie, ich weiß doch wer oder was ich selbst bin. Therapie ist somit nicht wirklich notwendig“.

Daher sollte Psychotherapie nicht als Zwang gesehen werden, wie dies leider zu oft bei diesem Thema gesehen wird, da es transidenten Menschen auferlegt wird, bei möglicher Transsexualität in Therapie gehen zu müssen. Da es sich bei der Thematik um eine Diagnose im Sinne des ICD 10, F64.0 handelt, liegt lt. WHO eine Krankheitswertigkeit vor und diese soll mittels psychotherapeutischer Methoden behandelt werden.

Der eigentliche Sinn der Psychotherapie sollte eher in der Evaluation der Diagnose von Transsexualität bestehen und in weiterer Folge als begleitende Unterstützung im Prozess der SEINSWERDUNG gesehen werden und nicht auf den Krankheitswert reduziert sein .

Psychotherapie im Allgemeinen beruht auf der Freiwilligkeit der zu behandelnden (unterstützenden) Person. Bei der Therapie transidenter Menschen existiert allerdings eine Empfehlung bzw. Erlass des Obersten Sanitätsrates, wodurch Psychotherapie vorgeschrieben wird. Diese besagt eine vorgeschriebene Mindeszeit von einem Jahr bzw. eine Mindestzahl von 50 Stunden.

Therapieverlauf bzw. Therapieprozess
Im Zuge des Therapieprozesses wird die Entwicklung der Geschlechtsidentität, die psychosexuelle (transidente) Entwicklung, die aktuelle Lebenssituation sowie die eigenen Persönlichkeit gewahr (bewusst) gemacht und daran wird im Rahmen der Therapie miteinander (TherapeutIn – KlientIn) gearbeitet. Ein ebenso ganz wichtiger Aspekt in der gemeinsamen Arbeit bezieht auch soziale Umfeld (Familie, Partner, Beruf, etc.) mit ein. Weiters wird auch der Wunsch ob ein operativer Eingriff von Seiten des Klientels gewünscht wird, hinterfragt, um dadurch gemeinsam eine individuelle Lösung zu erzielen. Es sollte daher nicht immer gleich bedeuten, dass bei Transsexualität automatisch eine geschlechtsangleichende Operation angestrebt (oder auch SRS – Sex Resignment Surgery genannt) wird. Es ist daher von großer Bedeutung, welches der/die Klientin zum aktuellen Zeitpunkt der Therapie wünscht.

Weiters werden Möglichkeiten und auch Grenzen der medizinischen Behandlung diskutiert (z.B. Hormone, operative Maßnahmen, etc.), sowie die Erwartungen an deren Ergebnisse als auch die Erwartungen an die eigene Person und dem möglichen weiteren Lebensprozess.

Eine wichtige Rolle fällte der Psychotherapie auch im Zusammenhang mit dem „Alltagstest“ (oder auch anders formuliert „Habituationsphase“) zu. Die Klienten sollen tagein, tagaus (also 24 Stunden täglich), in der Rolle des erlebten, angestrebten Geschlechts leben, um irreale Erwartungen und Vorstellung überdenken zu können, bevor Maßnahmen ergriffen werden, welche nicht rückgängig mehr sind.

Psychotherapie beginnt also schon vor der eigentlichen medizinischen (hormonellen) Behandlung und sollte auch ab dieser weitergeführt werden, um die betroffenen Personen zu unterstützen und zu begleiten in ihrem eigenen Werdungsprozess. Die medizinische Behandlung sollte ebenfalls über ein Jahr erfolgen, bevor eine Indikation für eine Operation erfolgen kann. Sinnvoll wäre es natürlich, wenn Psychotherapie auch nach erfolgten operativen Maßnahmen fortgesetzt wird, um die oft schwierige soziale und gesellschaftliche Integration versuchen zu sichern.

Zusammengefasst kann man daher sagen, dass Psychotherapie nur dann Sinn macht, wenn diese auf freiwilliger Basis fundiert. Trotz des „Zwanges“ für transsexuelle Personen eine Therapie durchführen zu lassen, sollte man die Gelegenheit nutzen, sich als Klient/In darauf einzulassen, um über die eigene Person und das eigene Leben mehr Transparenz zu erlangen.

 

Sarah Fuchs
Referatsleitung

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